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Den Lebensabend selbstbestimmt gestalten

Hospiz, Prof. Dr. Steinborn, was bedeutet das?

Für mich bedeutet die Hospizidee, den Lebensabend selbstbestimmt gestalten zu können und in einem stationären Hospiz einen geschützten und umsorgten Raum für die letzten Tage und Wochen des Lebens zu haben. Und sie bedeutet für mich auch, ein Ja zu einer Sterbebegleitung, die die Wünsche der Sterbenden respektiert und eine sehr gute palliative Versorgung einschließt, und ein Nein zur Sterbehilfe.

Prof. Dr. Dirk Steinborn ist geschäftsführender Vorsitzender des Freundeskreises zur Förderung von Sterbebegleitung und Hospizen e.V.. Der Freundeskreis ist Gesellschafter der der Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH .

Vereinsamung entgegenwirken

Frau Syska, was ist für Sie Hospiz?

Hospiz ist für mich der Umgang mit Sterbenden, indem ich mich ihnen zuwende, auf ihre Bedürfnisse, auf ihr Leid eingehe. Nicht nur auf das körperliche, sondern auch auf das seelische und das soziale. Wir wirken Vereinsamung entgegen, wenn wir Menschen vor allem auch zu Hause begleiten. Das Wort Zuwendung, eines der schönsten deutschen Wörter überhaupt, ist das, was ich im Hospiz wirklich umgesetzt sehe: „Ich wende mich dir zu; sage du mir, was du brauchst.

Christa Syska ist Mitglied des Vorstandes des Heinrich-Pera-Hospiz-Verein Halle (Saale) e.V.. Der Verein ist Gesellschafter der der Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH .

Ein Raum, in dem es nur um dich geht.

Herr Wüstner, was bedeutet Hospiz für Sie?

Hospiz ist ein Raum, wo es um Endlichkeit, Sterben und Abschiednehmen geht. Wo man sich diesen Themen stellt und alles andere, was man sonst um sich drum hat, nicht ganz so an sich ran lässt. Das ist ein Raum, wo man wirklich bei sich ist. Wie ein Rückzugsort, also wie das Kinderzimmer, dessen Tür man schließen kann, wenn man seine Ruhe haben will. Oder eben ein Raum, in dem es nur um dich geht.

Thomas Wüstner ist Geschäftsführer der Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale) GmbH. Das Krankenhaus ist Gesellschafter der Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH .

Es ist immer unklar, wie viel Zeit man noch hat.

Herr Graumann, was bedeutet das Wort Hospiz für Sie?

Das sind unterschiedliche Dinge, die Hospiz für mich bedeutet. Ganz am Anfang war das eine neue Herausforderung für mich. Ich war sehr jung, ich war geschmeichelt, weil Heinrich Pera mich unbedingt dabeihaben wollte. Ich hatte eine schmale Vorerfahrung, da ich vor meinem Psychologiestudium als Hilfspfleger gearbeitet habe. Dort bin ich Sterbenden und Toten begegnet, aber das war von mir technisiert. Ich musste immer etwas machen. Das erste Mal, dass das Thema mich berührt hat, war, als ich mit Heinrich Pera darüber sprach. Dann erst wurde der Gedanke an den Tod wirklich auch mein Gedanke. Insofern war Hospiz für mich also auch ein Einstieg in meine eigene Zukunft.

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Wir machen keine Arbeit nach Plan

Frau Kaiser, wie sind Sie zur Hospizarbeit gekommen?

Die Hospizarbeit war total fremdes Land für mich. Ich habe mich vorher mit diesen Themen überhaupt nicht auseinandergesetzt. Das war für mich eine riesige Herausforderung. Meine Familie meinte, das würde ich nie schaffen. Ich sei so sensibel, dass ich mit jedem mitsterben würde. Aber es ging gut. Ich konnte gut mit den Verstorbenen und Angehörigen umgehen.

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Eine wertvolle Ergänzung des Lebensweges

Herr Dr. Seige, was bedeutet Hospiz?

Hospiz ist für mich eine sehr wertvolle Ergänzung des Lebensweges und der Behandlung von Patienten am Lebensende. Im Prinzip ist es eine Ergänzung zu meinem Beruf: Wo man sagt, wir können nicht nur Schulmedizin bis zum Ende für alle machen. Man muss ein vielschichtiges Angebot für die Menschen haben, damit sie entscheiden können, welchen Weg sie gehen wollen. Es geht darum, selbst bestimmen zu können. Und ein Hospiz hat einfach ganz andere Rahmenbedingungen, als das eigene Zuhause oder ein Krankenhaus. Letztlich ist es nur notwendig geworden, weil das Sterben aus der Familie herausgenommen wird. Kurz vorm Tod werden die Menschen in die Notaufnahme gefahren, selbst aus professionellen Pflegeeinrichtungen, wo das Personal doch eigentlich geschult sein sollte.

Dr. med. Markus Seige ist Chefarzt Kardiologie- und Intensivmedizin im Martha-Maria Krankenhaus Halle- Dölau und sv. Vorsitzen des Freundeskreises zur Förderung von Sterbebegleitung und Hospizen e.V.. Der Freundeskreis ist Gesellschafter der der Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH.

Die Ursprungsidee ist tatsächlich, dass Sterben und Tod wieder zum Leben gehören

Frau Dietl, was bedeutet die Hospizarbeit für Sie?

Die Hospizarbeit ist mir an´s Herz gewachsen. Für mich ist da ein sehr großer vielfältiger Gestaltungsspielraum: der direkte Kontakt mit den Menschen, ambulante Hospiz-, Bildungs- und Trauerarbeit, Zusammenarbeit mit Verbänden und Krankenkassen, Rahmenbedingungen schaffen und schauen, wie Qualität und Gesetzgebung umgesetzt werden können. Wir sind eine sehr kleine wirtschaftlich eigenständige Einrichtung mit kurzen Entscheidungswegen. Das ist für meine Arbeit einerseits eine Herausforderung, aber auch sehr spannend, weil ich wirklich die Möglichkeit habe, zu gestalten. Eine tagtägliche Herausforderung sehe ich in der Umsetzung des Hospiz- und Palliativgesetzes. Einerseits bietet es vielfältige Ansätze, andererseits stoßen wir in der Praxis an Versorgungsgrenzen, die überwunden werden müssen. Nur so kann eine bestmögliche Versorgung eines schwerkranken Menschen am Lebensende in all ihren Facetten gelingen. Das Wichtigste ist tatsächlich Netzwerken.

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Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH